Adventsgewinnspiel 2013 … 15. Türchen (03.12.)

15.tuerchen.

Heute könnt ihr das eBook (PDF) „Lady Marmelade (1) – Eine süß saure Liebesgeschichte“ von Frieda Lambertie gewinnen!

lady-marmelade

Kurzbeschreibung:
Charlotte Talbach ist seit zehn Jahren glücklich geschieden. »Einen festen Partner brauche ich so dringend wie einen Magen-Darmvirus«, lautet ihr Motto. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Anja teilt sie sich ein Doppelhaus und das Geschäft mit dem Lieferservice für Bio Delikatessen. Im Sommer vor ihrem 50. Geburtstag muss sie langgelebte Prinzipien überdenken und eine wichtige Entscheidung treffen.

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Frieda Lambertie

Leseprobe aus dem Buch „Lady Marmelade (1) – Eine süß saure Liebesgeschichte“
Genre: Belletristik/Humor/Liebe/Freundschaft
Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als kindle edition

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Leseprobe

Charlotte

Mit Anfang zwanzig wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass mein Baby gesund zur Welt kommt. Jens, mein frisch angetrauter und deutlich älterer Ehemann, war bei der Geburt unseres einzigen Sohnes nicht dabei. Er lenkte als Kapitän einen Frachter durch das Marmarameer, während ich laut schreiend in den Presswehen lag. Weder zur Taufe noch zur Blinddarm- oder Augenoperation unseres Kindes war er anwesend. Auch zur Einschulung begleitete ich unseren Junior allein. Jens Aufenthalte beschränkten sich auf Urlaube um Weihnachten herum und die Ferien im Sommer. Wir führten eher eine Brieffreundschaft als eine Ehe. Im Alter von dreißig dachte ich das erste Mal ernsthaft über eine Trennung nach. »Warum, Lotte?«, wollte meine Freundin Anja von mir wissen. »Das Einzige, was sich ändern würde, wäre deine Steuerklasse. Dein Oller ist eh nie da. Also was soll’s? Leb dein Leben und mach das Beste daraus. Du bist ein gut versorgter, verheirateter Single mit Anhang. Du musst nur endlich einmal dein Schneckenhaus verlassen!« Ich befolgte ihren Rat und suchte mir nach Jahren einen Vollzeitjob. Anfang der neunziger Jahre boomte das Geschäft mit der New Economy und ich bekam eine Anstellung in einem Startup Unternehmen für Computer Software. Als Dreißigjährige gehörte ich dort schon zu den Alten. Meine Vertriebskollegen waren gute fünf bis acht Jahre jünger als ich. Bubis! Unreife Flegel, die im Gegensatz zu mir eine Mörderkohle verdienten. Mein Einkommen war überschaubar. Typisch, denn ich war/bin ja eine Frau. Während sich die faulen Säcke Lutz Buchwald, Ottmar Jensen und Phillip Meininger jeden Monat die Taschen vollsteckten, die Hälfte des Tages nur Zeitung lasen und ab mittags die Korken knallen ließen, telefonierte ich mir die Finger wund und machte einen ansehnlichen Umsatz für unser Vertriebsteam. Ich war mein Geld wert. Das erkannte auch mein Chef, der gleichaltrige Martin Seibert, der das Unternehmen gemeinsam mit Thomas Löhning gründete. Meine Kündigung nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit nahm er mit Bedauern entgegen. Seibert war ein großgewachsener Mann, enorm attraktiv und wurde von mir für seine positive Ausstrahlung und seine unvergleichliche Motivationsfähigkeit stets bewundert. Allerdings war er gerade willens, sich mit einer blonden Bitch ins Abenteuer Ehe zu stürzen und eine Familie zu gründen. Mit dieser Entscheidung sank meine Achtung für ihn in den Keller. Was für ein Fehlgriff, dachte ich bei mir. Es war doch offensichtlich, dass die beiden nicht zusammenpassten. Mein geheimer Held, mein Vorbild, mein Idol hatte von jetzt auf sofort seine inspirierende Magie verloren. Auch seine Versuche, mich umzustimmen, fruchteten nicht mehr. Vor mir stand ein hoffnungslos naiver Beau, den ich auf direktem Weg in sein Unglück rennen sah.

»Bitte überlegen Sie es sich doch noch einmal, Frau Talbach. Ich denke, dass wir Sie im nächsten Jahr bestimmt befördern können. Sie sind so ambitioniert und ich brauche Sie doch, um meine Lämmer in Schach zu halten.«

Bitte überlegen Sie es sich lieber nochmal! Ich denke, dass Sie in spätestens zwei Jahren wieder geschieden sind! Eine solche Entscheidung trifft man doch nicht mit dem Schwanz. Meine Güte, Seibert! Wo ist nur dein messerscharfer Verstand geblieben?, dachte ich, sagte aber »Danke für die

Blumen. Aber meine berufliche Zukunft stelle ich mir anders vor, als hier auf Dauer den Hütehund für Ihre Jungtiere zu mimen.« Ich gab meinen Kollegen noch einen aus und verabschiedete mich, wenn auch ein wenig wehmütig aus der chaotischen IT Welt und machte mich als Beraterin selbstständig.

Das Platzen der Dotcom Blase Anfang 2000 hatte auch für mein Unternehmen schwerwiegende Folgen. Ich musste kurz darauf schließen. Finanziell und gesundheitlich angeschlagen feierte ich meinen vierzigsten Geburtstag, als Jens mich mit einer Bitte überraschte. Der Bitte um die Scheidung. So hatte er sich das Leben an meiner Seite nicht vorgestellt. Ich teilte seine Ansicht und sagte ohne Umschweife »Dito« und erfüllte ihm seinen Wunsch. Er hatte nun freie Bahn, um sich ein richtiges Hausmütterchen zu suchen, denn das war ich eindeutig nicht. Die Zeit war reif für einen Neuanfang. Ich verließ unser Stadthaus in Hamburg und zog aufs Land. Ohne Kind, denn das war mittlerweile erwachsen. Und ohne die geringste Aussicht auf einen neuen Job in leitender Position. »Die ticken doch nicht mehr ganz richtig mit ihrem Jugendwahn«, schimpfte ich, nachdem ich die zigste Absage auf eine piffige Teamleiterposition erhalten hatte. Anja sprach mir immer wieder Mut zu. Meine langjährige Freundin war nun auch meine Nachbarin, denn ich siedelte zu ihr und ihren Kindern in die Nordheide um. Wir teilten uns ein Doppelhaus im grünen Speckmantel südlich von Hamburg. Ich bezog die Hälfte 12a und sie die Hälfte 12b. Kurzentschlossen gründeten wir einen Lieferservice für Bio Delikatessen. Mit selbstgemachten Konfitüren, Brotaufstrichen und Chutneys fingen wir an. Es lief schon nach kurzer Zeit so gut, dass ich entschied, mein Erdgeschoss in eine Gastroküche zu verwandeln. Meine Möbel wanderten ins Dachgeschoss, der Teppich wich weißen Fliesen und die Wände wurden deckenhoch gekachelt. Nach und nach schafften wir uns Öfen, Kühlschränke und Arbeitstische aus Edelstahl an. Nach fünf Jahren investierten wir in eine eigene Nudelmaschine und erweiterten unser Sortiment um frische Pasta, Essige und Liköre, die wir mit Kräutern und Blüten aus unserem gemeinsamen Garten verfeinerten und an Bioläden und Feinschmecker Restaurants der Region verkauften. Reichtümer konnten wir mit unserer Hände Arbeit nicht verdienen, aber gut leben. Ich war rundum zufrieden. Anja nicht. Sie wollte wieder einen Mann. Einen festen Partner. Keine Affären mehr, die sich nach drei Monaten verabschiedeten. Mir reichte eine Quartalsliebschaft. Spätestens dann wollten die Männer mit mir zusammenziehen und mein Leben auf den Kopf stellen. Oh, lieber nicht, dachte ich stets bei mir. Um kein Geld der Welt wollte ich meine Unabhängigkeit aufgeben. Allein die Vorstellung, morgens neben einem Mann aufzuwachen, in sein verquollenes Gesicht zu schauen, ihm seine Wäsche hinterher zu räumen, um sie dann zu waschen und zu bügeln, löste bei mir eine Herpes Attacke aus. Nee, danke. Ich kam doch wunderbar klar. Fürs Grobe hatte ich meinen Sören. Der ehemalige Mitarbeiter meiner alten Agentur war die Zuverlässigkeit in Person. Er kam prompt auf meine Bitten und übernahm alle anfallenden Handwerker Aufgaben. Zum Quatschen und Feiern hatte ich zahlreiche Bekannte und gekuschelt wurde mit meinem Rüden Kurt. Er und mein Sohn Julian waren die einzigen Y Chromosom Träger, denen ich keinen Wunsch abschlagen konnte.

Seit im Haus gegenüber ein alleinerziehender Vater mit seinen drei Söhnen wohnt, bekomme ich keinen Schlaf mehr. »King Kong«, wie ich den glatzköpfigen Nachbarn nenne, hat eine derartig ungehobelte Art, seine Jungs zu behandeln, dass es mir jedes Mal die Nackenhaare aufstellt. Ständig brüllt er sie an.

»Die sollten mal einen Hörtest machen«, räumte Anja gestern ein. Auch sie ist genervt von den lautstarken Kommandos unseres Gegenübers, genauso wie die restlichen Anwohner der Straße. Seine Lärmbelästigung beginnt bereits morgens um halb sechs. Dann raucht er die erste Zigarette vor der Eingangstür und lässt seine Söhne raus, wie andere Menschen ihren Hund zum Pinkeln raus lassen. Vater und seine drei Jungs lungern dann in ihrem Vorgarten herum und beobachten das Treiben der Mädchen in Hausnummer 12b. Kevin, der Älteste, ich schätze ihn auf 16 Jahre, hat sich Kopfhörer über seine abstehenden Segelohren gespannt. Vermutlich um dem Geblöke seines Vaters zu entgehen. Seine überlaute Rap Musik kann ich bis ins Schlafzimmer hören. Bestimmt ist der Junge längst taub. »Käääääviiiiiiiiiiien«, schreit King Kong über die Straße. »Bist du blind oder blöd. Siehst du nicht, dass da ein Auto kommt?« Ich tippe eindeutig auf blöd und bin mal wieder hell wach. Durch das Fenster sehe ich, wie der Affenvater in weißer Ripp Unterwäsche unter der hellen Beleuchtung

der Straßenlaterne steht und den Rauch seiner Zigarette tief durch seine Lungen zieht. Kein schöner Anblick, der wenig Appetit auf mein bevorstehendes Frühstück macht. Danach prüft er, ob sein Wagen anspringt. Für eine Minute tritt er das Gaspedal voll durch und lässt den Motor seines alten Wagens solange laut aufheulen, bis eine Wolke blauer Abgase die Straße einhüllt. Nach diesem morgendlichen Ritual pfeift der kurzgewachsene, dickbäuchige Proll einmal kurz – einmal lang auf zwei Fingern und seine Nachkommen folgen ihm wie dressierte Schäfchen zurück ins Haus. Vermutlich wird er sich jetzt einen Kaffee kochen, nachdem er die ganze Nachbarschaft geweckt hat. Ich tue es ihm gleich und lege ein Kaffeepad in meine Maschine. Im Erdgeschoss riecht es nach Knoblauch. Um korrekt zu sein, nach Bärlauch. Rund 10 kg grüne Butterrollen stapeln sich auf dem Arbeitstisch und warten darauf, mit entsprechenden Kräuter-, Gewürz- und Olivenbaguettes ausgeliefert zu werden. Bei mir werden die herzhaften Sachen zubereitet, nebenan bei Anja duftet es nach süßen Obstkuchen und anderem Gebäck. Der Geruch der ofenfrischen Brotstangen löst nach knapp zehn Jahren keine Euphorie mehr bei mir aus. Ich weiß, dass ich mich mit großen Schritten meiner kritischen Endphase nähere. Bisher habe ich alle zehn Jahre mein Leben umgekrempelt. Ich bin stets meinen Wünschen und Neigungen gefolgt. Wenn auch nicht immer freiwillig. Im Sommer werde ich fünfzig und lechze nach einer neuen Wende in meinem Leben.

Kurt bettelt um seinen morgendlichen Gassi Gang. Ein Blick auf den Backofen zeigt mir, dass ich für eine kurze Runde noch genau zwölf Minuten Zeit habe. Im Galoppschritt laufe ich mit ihm um den Block.

»Abdrücken, Kurt. Nun mach schon! Auf keinen Fall werde ich wegen dir die Brote verbrennen lassen.« Als ich von meiner Laufrunde zurück komme, steht Lennard vor meiner Tür. Käääääviiiiiiiiiiiens jüngerer Bruder.

»Guten M.m.m.o…rgen, Char.l.l.lo..tte. Wir ha..ha..ha..ben gestern ein Päckchen für dich angenommen. Weil es so geregnet hat, wo..wo..wo..llten wir es dir nicht vor die Tür legen.« Ich schaue Lennard nicht ins Gesicht. Es hilft ihm, sein Stottern besser unter Kontrolle zu bekommen und lächle ihn erst an, als er seine Botschaft überbracht hat.

»Danke. Lieb von dir. Magst du noch mit reinkommen und ein warmes Baguette essen?« Aber der Mittlere der Affenfamilie lehnt ab und überreicht mir das Päckchen.

»Ich komm h.h.h.eute N.n.achmittag den R.r.rasen mähen, ok?«

»Das wäre prima, Lennard. Hoffen wir mal, dass es heute trocken bleibt.« Mit einem breiten Lächeln verzieht er sich wieder über die Straße und ich laufe hastig in die Küche. Rettung in letzter Sekunde, denke ich, als ich das vorletzte Blech aus dem Ofen ziehe. Kurt steht schwanzwedelnd vor der Terrassentür und ich weiß, dass Anja im Anmarsch ist. Statt »Guten Morgen«, ruft sie mir zu »Wie lange brauchst du noch? In spätestens einer halben Stunde muss ich los, wenn wir pünktlich liefern wollen.« Ich verziehe das Gesicht und denke im Stillen, dass sie keine Panik schüren müsste, wenn sie mir früher hilfreich zur Hand gegangen wäre.

»Stress mich nicht! Und keine Sorge, es klappt alles. Wie immer!« Ich schiebe die letzten Bleche in den Ofen und werfe einen Blick auf das Paket.

»Mach mal auf. Vielleicht sind es die Muster für die Pralinenverpackungen, auf die ich seit Tagen warte«, sage ich zu ihr und wasche mir die Hände unter fließend Wasser.

»Falsch geraten. Es ist nur ein Prospekt. Von Solution Partner?! Sag, hast du nicht mal für die gearbeitet?« Erstaunt nehme ich Anja den Katalog aus der Hand und stelle fest, dass es keine Werbebroschüre ist, sondern ein gebundener Bildband, der von den Gesellschaftern anlässlich des bevorstehenden Firmenjubiläums für Kunden und Mitarbeiter gedruckt und verschickt wurde.

»Und scheinbar auch für Ex Mitarbeiter. Schau mal. Hier ist eine persönliche Einladungskarte für dich. Für Frau Charlotte Talbach.« Neugierig liest Anja mir laut vor.

Liebe Frau Talbach,

auch mit Ihnen haben wir den Grundstein für zwanzig erfolgreiche Jahre Solution Partner gelegt. Jetzt ist es an der Zeit »Danke« zu sagen und mit allen Pionieren zu feiern. Wir laden Sie ein, am 12. Mai ab 11 Uhr zu uns ins neue Betriebsgebäude in der Hamburger Hafen City zu kommen. Es freuen sich Martin Seibert und Thomas Löhning

Zwanzigjähriges Jubiläum? Oh Gott, ich fühle mich auf der Stelle steinalt. Das Gruppenfoto auf der ersten Seite der Klappkarte lässt mich schmunzeln. Wir waren schon eine wilde Truppe, denke ich noch, als das Signal des Ofens mich aus meinen Erinnerungen zurückholt und mich auffordert, die letzten Brote zu entnehmen.

© Text Frieda Lambertie

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Frage: Wie nennt Charlotte ihren Nachbarn abfällig?

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lebkuchen2.

Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 15. Türchen plus heutiges Datum)
Einsendeschluss ist um Mitternacht.
Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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Ein Gedanke zu „Adventsgewinnspiel 2013 … 15. Türchen (03.12.)

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