Adventsgewinnspiel 2013 … 33. Türchen (21.12.)

33.tuerchen

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Heute könnt ihr das Buch „Pech und Schwefel“ von Madison Clark gewinnen!
Zusätzlich gibt es auch noch einen zweiten Gewinner, denn die Autorin vergibt auch noch ein eBook ihrer Vampirkurzgeschichte „Shadows Lost“

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Kurzbeschreibung:
Das Chaos herrscht in den Straßen. In einer einzigen Nacht verlieren die neunjährigen Zwillinge des Hohepriesters ihre Eltern, ihr Zuhause und ihre Identität. Niemand will Ronor und Nomarac glauben, dass sie das schreckliche Inferno überlebt haben. Verzweifelt irren sie durch die Stadt, bis eine kleine Diebesbande sich ihrer annimmt. Doch gerade, als sie sich beim Diebstahl beweisen sollen, kommt alles ganz anderes. Die Zwillinge werden von den Stadtwachen festgenommen und eingekerkert. Aber das Glück spielt ihnen in die Hände. Die Brüder kommen wieder frei, jedoch nur, um von einem zwielichtigen Bordellbesitzer für die nächsten Jahre unter Vertrag genommen zu werden. Für ihn verrichten sie allerlei Arbeiten, dafür versteckt er sie in seinem Haus und gibt ihnen ein anständiges Obdach. Ohne Eltern, Geld und Heimat bleiben sie notgedrungen im Bordell und finden in der Prostituierten Alori eine gute Freundin. Nach einem schrecklichen Vorfall, einige Jahre später, beschließen die Zwillinge zu fliehen. Nach Monaten auf der Flucht, von allen verlassen, kann ihnen schließlich nur noch ein Wunder helfen.

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Madison Clark

Leseprobe aus „Pech und Schwefel“
Genre: All Age Fantasy, High Fantasy
Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition
Weitere Infos findet ihr auf dem Blog der Autorin

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Leseprobe

Fünf entbehrungsreiche Tage lagen hinter Nomarac und Ronor. Nachdem sie ihren Rausch ausgeschlafen hatten, begannen die Diebe sofort mit ihrem Unterricht. Zuerst hatten Clay und Ayor ihnen hilfreiche Tricks gezeigt und erklärt, wie sie diese anzuwenden hatten. Dabei spielten die Diebe die unschuldigen Opfer. Anfangs ging es nur schleppend voran. Eine Schimpftirade nach der anderen folgte und Clay verlor oft die Geduld. Am fünften Tag war er endlich voll des Lobes für die Zwillinge. Sie hatten es geschafft ihm die Lederbörse vom Gürtel zu entwenden, ohne dass er es bemerkt hatte.

In den nächsten Tagen änderte sich das Leben der Brüder noch in anderen Dingen. Sie mussten ihre gewohnte Kleidung gegen schäbige Fetzen eintauschen. Die Diebesbande stattete sie mit viel zu langen, abgetragenen Hosen mit Löchern aus, die zerschlissenen Hemden waren ihnen ebenfalls zu groß. Seile um ihre Hüften hielt alles einigermaßen an Ort und Stelle. Schließlich ging Ayor hin und kürzte ihre neue Kleidung mit einem rostigen Messer. Doch der größte Verlust war der ihrer Lederstiefel. Clay bestand darauf, denn jeder Bürger der Stadt sollte in ihnen arme Bettlerjungen sehen.

Den eigentlichen Grund für ihre neue Aufmachung ahnten die Brüder nicht. Clay und Nyn befürchteten, dass sie in ihrer alten Aufmachung viel leichter als eineiige Zwillinge zu erkennen waren. Aus diesem Grund mussten auch Nomaracs Haare ab. Während Ronor seine bis weit über die Schultern trug, hatte Nomarac jetzt einen schiefen Kurzhaarschnitt. Der Rest ihrer Unkenntlichkeit übernahm eine Rußschicht im Gesicht.

Am neunten Tag war es dann endlich soweit. Nomarac gelang es Amon und Vorkim die Lederbeutel unter dem Umhang zu stehlen, während Ronor die Rolle des Lockvogels spielte. Er gab vor sich verletzt zu haben, um die Aufmerksamkeit der andere Diebe auf sich zu ziehen. Dadurch war es für Nomarac ein Leichtes die Raukarii zu beklauen.

Der nächste Tag rückte schließlich mit großen Schritten näher.

»Die Übungsstunden sind beendet«, gab Clay bekannt. »Ihr seid soweit. Heute ist eure Aufnahmeprüfung.«

»Heute Nachmittag wird das Oberhaupt Leven’raukas erwartet«, übernahm nun Nyn die weiteren Erklärungen und wirkte dabei sehr nervös. »Wie wir alle wissen, ist der Hohepriester aus Zyrakar der Bruder des verstorbenen Hohepriester von Mayonta. Er wird ab morgen die Gerichtsverhandlungen über die gefangen genommen Verräter abhalten. Danach werden sie auf dem Tempelvorplatz hingerichtet. Das heißt für uns … es werden eine Menge Raukarii auf den Straßen sein. Viele Raukarii mit gefüllten Lederbörsen.«

»Und eure Aufgabe ist es, uns mindestens einen halben Sack wertvoller Edelsteine zu bringen«, bedeutete Clay und tauschte mit seinem Stellvertreter einen wissenden Blick aus. »Sobald der Hohepriester mit seinem Gefolge den Tempelvorhof erreicht, wird jeder nur Augen und Ohren für den Hohepriester haben. Das ist eure Chance uns zu beweisen, wie gut ihr wirklich seid.«

»Aber … aber das ist doch …«, murmelte Ronor, der halbherzig auf einem Stück Brot herumkaute.

»Psssst«, flüsterte Nomarac ihm zu und knuffte ihn in den Oberarm. Sofort war Ronor ruhig.

Clay und Nyn taten, als hätten sie nichts mitbekommen, aber sie wussten ganz genau, was Ronor hatte sagen wollen. Auch Nomarac, der bei dieser Nachricht plötzlich eine Idee hatte. Er musste versuchen mit Ronor alleine zu reden, denn das wäre ihre einmalige Chance endlich den Priester, aber vor allem ihrem Onkel – den sie zwar noch nie gesehen hatten – zu beweisen, wer sie waren. Der Hohepriester würde ihnen sicherlich glauben.

Eine halbe Stunde später brach die Diebesbande mit den Zwillingen auf. Auf den Straßen herrschte reges Treiben. Jeder drängte in Richtung Tempel, um einmal im Leben das Oberhaupt des Landes mit eigenen Augen zu sehen. Das war für Nomarac die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte. Sie trotteten langsam hinter Clay und seinen Kumpanen hinterher.

»Das Oberhaupt ist Papas Bruder«, sagte Ronor leise zu Nomarac.

»Ja. Mama hat uns doch einmal erzählt, wie er bei unserer Geburt zu Besuch war, erinnerst du dich?«

Bei der Erinnerung an ihre Eltern spürte Ronor augenblicklich wieder die Tränen aufsteigen. Er schluckte und wischte sich mit dem Handrücken über die Wangen. Obwohl er in den letzten Tagen versucht hatte stark zu wirken, vermisste er Vater und Mutter schrecklich.

Nomarac nahm ihn bei der Hand und drückte sie fest. Er weinte zwar nicht so oft wie sein Bruder, doch er spürte ein tiefes Loch in seinem Herzen, welches der Verlust von ihren Eltern hinterlassen hatte.

»Glaubst du, dass er uns erkennt?“, fragte Ronor und erwiderte den feste Händedruck. Aus den Augenwinkeln beobachtete er seinen Bruder, der so traurig aussah, wie er sich fühlte.

»Das wird er … ich habe einen Plan«, weihte Nomarac ihn ein. »Du wirst schon sehen, Brüderchen. Wir werden heute nicht mehr zurück ins Armenviertel gehen.«

»Und was hast du vor?«

»Wir werden …«

»Kommt ihr endlich?«, rief Clay ihnen zu und wartete, dass die beiden aufholten. »Wir wollen doch nicht zu spät kommen.«

»Ich erzähle es dir später«, hauchte Nomarac Ronor ins Ohr und gemeinsam folgten sie den Dieben weiter durch die Stadt.

Eigentlich wollten die Brüder niemanden bestehlen, das hatte ihnen ihre Mutter immer wieder gesagt, genauso, wie sie nicht lügen sollten. Doch es hatte sich so viel für sie geändert, dass ihnen kaum eine andere Wahl blieb.

Als sie das Stadtzentrum und den Vorplatz zum Zevenaartempel erreichten, gab es kaum noch einen freien Platz. Die Raukarii drängten dicht an dicht in kleinen Trauben zusammen, während die Stadtwachen in der Mitte einen Kreis freihielten, der für den Hohepriester und sein Gefolge bestimmt war. Auch die Straßen waren von Wachen gesäumt. Kein Raukarii würde es wagen durchzubrechen. Viele Raukarii reckten ihre Köpfe in die Luft, um nichts zu verpassen.

Am Rand der Menge fanden die Diebe ein freies Fleckchen, von wo aus sie eine gute Sicht auf den Tempel hatten. Die goldene Doppeltür ins Innere war geschlossen. Auf den Treppen hatten Raukarii eine hölzerne Bühne aufgebaut. Dort ruhte ein großer Lehnstuhl, links davon war ein großer Galgen erbaut worden. Zehn Verräter auf einmal konnten daran hingerichtet werden.

Clay und Nyn beobachteten eine Weile den Aufruhr, der sich gebildet hatte, dann befahl er allen sich zurückzuziehen. Sie liefen nur ein paar Meter weiter und versteckten sich in einer sehr schmalen Gasse.

»Ihr wisst was zu tun ist«, sagte er an die Diebe gewandt, die bestätigend nickten und ausschwärmten. »Und ihr zwei geht dort vorne zur Straße zurück.« Er fixierte die Brüder und deutete mit dem Kinn zu der Stelle, wo sie eben noch gestanden hatten. »Der Hohepriester kommt aus südlicher Richtung. Genau da stehen auch die Reichen. Ihr werdet mir einen halben Sack Edelsteine bringen. Verstanden?«

Ronor und Nomarac schluckten merklich. »Ja«, antworteten sie wie aus einem Mund.

»Dann los! Der Hohepriester wird gleich eintreffen«, sagte Clay eher zu sich selbst, als zu den Zwillingen.

Unter Beobachtung des Anführers der kleinen Diebesbande liefen Ronor und Nomarac nach vorne. Er ließ sie nicht aus den Augen, was sie noch nervöser werden ließ als sie es ohnehin waren. Clay lehnte sich voller Genugtuung gegen die Häuserecke, die Arme vor der Brust verschränkt und grinste sie immer wieder an, wenn sie sich mit einem Blick über die Schulter vergewisserten, ob er noch da war.

Sie zwängten sich mitten in die Menge hinein und endlich waren sie unbeobachtet. Genau das war auch Nomaracs Absicht gewesen.

»Verrätst du mir jetzt, was du vor hast?«, wollte Ronor wissen.

In wenigen Sätzen erklärte er ihm seine Idee, die er mit einem selbstzufriedenen Lächeln beendete.

»Aber da wird Clay sehr wütend werden. Und vielleicht die Wachen auch.« Ronor freute sich zwar über ihre Vorhaben, aber er hatte auch Angst. Furcht davor, dass etwas schief laufen konnte. Er musste dabei immer wieder an ihre Abenteuer auf dem Markt denken.

»Wir sagen nur die Wahrheit, da kann uns nichts passieren«, beruhigte ihn Nomarac. »Lass uns gleich gehen, bevor Clay nach uns sucht.«

Mit rasendem Herzen und zittrigen Händen drängten sich die Zwillinge durch die Menge, bis sie ganz vorne bei den Soldaten standen, welche die wartenden Raukarii in Schach hielten, damit niemand einfach auf die Straße rannte.

Kaum waren sie in Position, wurde die Menge auch schon ganz unruhig. Die ersten Jubelrufe drangen an ihre Ohren, und dann sahen sie auch schon bewaffnete Soldaten mit Schwertern in den Händen, die die Straße entlang marschierten. Hinter ihnen kam ein Raukarii auf einem schwarzen Hengst ins Blickfeld. Er trug eine blutrote Samtrobe, darunter lugten schwarze Lederstiefel und eine Lederhose hervor. Seine langen Haare fielen ihm weit über die Schultern. Eine Lederscheide samt Schwert trug er um die Hüfte. Er saß stolz in seinem Sattel und wirkte wie ein König. Den Brüdern wurde es plötzlich ganz schwer ums Herz, denn der Raukarii ähnelte ihrem Vater so sehr, dass sie am liebsten sofort losgerannt wären. Doch sie hielten sich zurück und beobachteten, wie ein weiterer selbstbewusst wirkender Raukarii ihm auf einem braunen Pferd folgte. Er schien im selben Alter wie der Mann vor ihm zu sein. Sein rotes Haar hatte er mit einem Stück Leder streng zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Er trug eine dunkle Lederhose und ein weißes Hemd. Auch er hatte seinen Waffengürtel umgeschnallt. Darin steckte ein Schwert, dessen Griff mit Edelsteinen verziert war. Er schaute mit skeptischen Blicken in die Menge. Hinter ihm marschierten weitere bewaffnete Soldaten.

»Gerechtigkeit!«, rief plötzlich eine Frau neben Ronor, und andere fielen in diesen Ruf mit ein.

Sofort schwoll der Lärm an, als der Hohepriester und sein Gefolge auf dem Tempelvorplatz zum Stehen kamen. Die Raukarii klatschten ihm Beifall.

»Komm mit«, forderte Nomarac seinen Bruder auf und zog ihm am Ärmel.

Wie von einer Tarantel gestochen stürmten sie auf den Hohepriester zu, der soeben vom Pferd stieg. Sie waren so flink, dass die Soldaten zu spät reagierten und die Zwillinge ihr Ziel erreichten, bevor sie jemand daran hindern konnte. Mit großen Augen taxierten sie den Hohepriester Ratlyr Anthyr. Auf seiner Brust prangte das goldene, heilige Symbol des Feuergottes Zevenaar – ein gehörnter Drache –, genau wie bei ihrem Vater.

Er sah die Zwillinge an, sein Gesicht war eine überraschte Maske. Seine Augen leuchteten freundlich, aber ebenso streng. Im Licht der Sonne glitzerte sein heiliges Symbol und ließ ihn fast wie ein Gott wirken.

Ronor öffnete staunend den Mund. Für einen Sekundenbruchteil hätte er beinahe Vater zu ihm gesagt.

Nomarac stand neben ihm und kämpfte gegen Tränen an. Sein Herz hämmerte wild in der Brust und er musste sich stark zurückhalten, dem Hohepriester nicht um den Hals zu fallen. Sein Atem ging schneller.

Der Schreck auf allen Seiten verflog jedoch sehr schnell. Von einem Moment zum nächsten brach das Chaos aus. Der Raukarii mit dem edelsteinbesetzten Schwertknauf sprang vom Pferd und zog die Waffe, mehrere Soldaten folgten seinem Beispiel und umstellten den Hohepriester und die Kinder, bereit auf ein Wort von ihm oder seinem Begleiter zu handeln.

Eingeschüchtert klammerten sich Ronor und Nomarac aneinander und starrten die Männer ängstlich an. Mit dieser Reaktion hatten sie nicht gerechnet. Und dann kamen zwei Soldaten des Hohepriesters, rissen die Brüder auseinander und ließen sie nicht mehr los. Sie versuchten um sich zu schlagen, begannen zu schreien, und wanden sich in dem schmerzhaften Klammergriff der Männer, die sie von hinten festhielten. Doch jeder Befreiungsversuch blieb erfolglos.

»Halt!«, sprach der Hohepriester Ratlyr Anthyr bestimmend. Auf dem Tempelvorplatz herrschte plötzlich aufgeregtes Schweigen.

Die Soldaten hielten abrupt inne und starrten ihren Herrn verwundert an.

»Das sind nur Straßenkinder … höchstwahrscheinlich Diebe«, sagte der Raukarii mit dem Schwert in der Hand.

»Es sind Kinder, Sanar«, bestätigte Ratlyr. »Aber wir wissen nicht, ob es Diebe sind. Und selbst wenn. Niemand wäre so töricht mich auf offener Straße und vor so vielen Soldaten zu bestehlen.«

Beschämt senkte Sanar den Kopf.

Ratlyrs neugieriger Blick wanderte zurück zu den zappelnden Brüdern.

»Wir wollten nicht stehlen«, rief Ronor.

»Wir müssen mit Euch reden. Es geht um unsere Eltern«, ergänzte Nomarac.

»Da hast du es.« Der Hohepriester lachte und sah die Zwillinge interessiert an. »Was möchtet ihr mir denn sagen?

»Wir sind Josias’ Söhne«, platzte es aus Nomarac heraus.

Ratlyr Anthyrs Gesichtszüge verhärteten sich schlagartig. Sein Körper versteifte sich. Er fixierte die Zwillinge mit zu Schlitzen verengten Augen und machte damit deutlich, dass er diese Neuigkeit weder glaubte noch, dass er für einen Streich aufgelegt war.

»Darüber macht man keine Scherze«, mahnte Sanar die beiden.

»Aber wir sind es wirklich«, versuchte es nun Ronor verzweifelt, zappelte in den Armen seines Häschers und schlug wieder wild um sich. »Josias war unser Vater. Seyldia unsere Mutter.«

»Ihr müsst uns glauben«, schloss sich Nomarac an. »Wir sind nicht tot. Ihr seid der Bruder von unserem Papa. Wir lügen nicht.«

»Wir wollen zu unseren Eltern.« Ronor begann zu weinen und Nomarac konnte seine eigenen Tränen nicht länger zurückhalten.

»Seid nicht so frech und anmaßend.« Sanar holte aus und verpasste beiden eine schallende Ohrfeige. »Ihr lügt!«

»NEIN!«, schrien die Zwillinge gleichzeitig und wurden immer verzweifelter.

In diesem Moment kämpfte sich eine der Stadtwachen durch die Traube der Soldaten, die sich immer noch um ihren Hohepriester versammelt hatten und das Geschehen misstrauisch verfolgten. Schließlich blieb der Raukarii neben den Brüdern stehen, musterte sie kurz und wandte sich dann an Ratlyr.

»Es tut mir schrecklich leid. Lasst euch bitte nicht beirren.« Kommandant Malor seufzte und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Seitdem wir den tragischen Verlust beklagen, kommen täglich junge Straßendiebe zum Tempel und behaupten, sie wären die Söhne des Hohepriester. Ich bitte vielmals um Entschuldigung.«

»Das habt ihr mir gestern Abend bei meiner Ankunft nicht erzählt«, sagte Ratlyr. Inzwischen schien er sich von dem Schock erholt zu haben. Mit einer Mischung aus Mitleid und Enttäuschung senkte er den Blick und schaute die Zwillinge aus den Augenwinkeln an, die leise vor sich hin weinten.

»Ich hielt es für belanglos. Entschuldigt. Ich werde mich umgehend um diese beiden kümmern«, entgegnete Malor verlegen. »Sie werden euch künftig nicht mehr belästigen.«

Nach diesen Worten straffte der Hohepriester seine Schultern und bedeutete seinen Soldaten den Weg freizugeben. Mit Sanar an seiner Seite wandte er sich wieder der Menge zu. Plötzlich brachen die umherstehenden Raukarii erneut in ohrenbetäubenden Jubel aus. Keiner mehr interessierte sich mehr für die beiden Kinder. Sie wurden im selben Augenblick von Kommandant Malor vom Vorplatz geschleppt, an die dieselbe Stelle, wo er schon einmal vor Tagen mit ihnen geredet hatte. Doch durch ihr neues Erscheinungsbild erkannte er sie nicht.

»Was fällt euch eigentlich ein?«, schnaubte er wütend, seine Hand wanderte dabei gefährlich zum Schwertknauf, welches er in der Scheide an der linken Hüfte trug. »Der Hohepriester trauert. Er ist hierhergekommen, um über die Verräter Gericht zu halten, und ihr zwei verlausten Straßenratten habt nichts Besseres zu tun, als ihn in seiner Trauer zu sagen, ihr seid die toten Kinder seines Bruders. Welch eine Dreistigkeit.«

»Aber wir lügen doch nicht!« Ronor schluchzte und sein kleiner Körper bebte haltlos.

»Ihr könnt von Glück sagen, dass er euch nicht gleich als Diebe die Hände hat abhaken lassen.«

Ängstlich zuckte Nomarac zusammen und dachte an Nyns verlorene Hand. »Glaubt Ihr wenigstens an uns? Wir sagen die Wahrheit. Die Priester im Tempel kennen uns. Sie haben …«

»Ich habe jetzt genug gehört.« Kommandant Malor holte einmal tief Luft und ließ sie langsam entweichen. Er griff nach Nomaracs Arm und dann passierte es.

Klimpernd fiel ein Ring zu Boden und kullerte direkt vor Malors Stiefel. Konsterniert stierten alle drei auf das Schmuckstück.

»Ich wusste es! Ihr habt gestohlen!« Der Kommandant winkte augenblicklich zwei Soldaten herbei, die nicht weit von ihm entfernt die Menge in Schach halten sollten. Er beugte sich nach unten und hob den goldenen Ring auf. »Steckt die beiden in den Kerker«, befahl er ihnen, dann drehte er sich mit zorniger Miene um und lief zum Tempeleingang. Für ihn war die Sache damit erledigt.

Panisch schrien die Zwillinge, doch sie wurden von den vielen Jubelrufen übertönt.

»Das waren wir nicht! Wir haben nichts gestohlen! Lasst uns los! Nicht in den Kerker! Hört uns doch zu! Wir sind keine Diebe!«

Nicht weit von der Verhaftung von Ronor und Nomarac, lehnte Clay gegen eine Häuserwand. Sein Gesicht wirkte wie versteinert. Er hatte die Lippen fest zusammengepresst, die Hände zu Fäusten geballt.

»Die Aufnahmeprüfung haben sie nicht bestanden«, flüsterte Nyn ihn ins Ohr.

»Verdammt!«, brüllte Clay plötzlich seinen Ärger heraus. Er drehte den Kopf und sah seinem besten Freund tief in die Augen. »Sollen sie doch in der Zelle schmoren. Aber wenn ich denjenigen erwische, der ihnen den Ring zugesteckt hat, dem werde ich eigenhändig die Kehle aufschlitzen.«

»Du sprichst mir aus der Seele.« Nyn seufzte. »Sollen sie ruhig schmoren. Ich für meinen Teil habe keine Lust meine Bekanntschaft mit dem Kommandanten weiter zu vertiefen.« Daraufhin hielt er seinen rechten Armstumpf nach oben, denn kein anderer als Malor hatte ihm seine Hand vor Jahren abgeschlagen.

»Lass uns gehen … mir ist die Lust nach großer Beute vergangen«, sagte Clay und bei jedem Wort bebte seine Stimme vor Wut. »Die anderen können ja nachkommen.«

Sie kamen jedoch nicht weit. Während der Hohepriester Ratlyr Anthyr auf dem Podest vor dem Tempel mit seiner Rede anfing und die Menge daraufhin erneut mit lautem Beifall seine Ankunft und die baldige Gerichtsverhandlung feierte, versperrten ihnen plötzlich fünf Stadtwachen den Weg. Wie angewurzelt blieben Clay und Nyn stehen.

»Hallo Clay. Schon lange nicht mehr gesehen. Lasst uns zusammen einen Spaziergang machen«, befahl der Anführer der kleinen Gruppe und bedeutete zwei seiner Männer, die Diebe zu begleiten.

Die beiden schnappten sich Clay und Nyn und zerrten sie grob in die Hintergasse, wo sie zuvor schon mit den Zwillingen geredet hatten. Dort angekommen, wurden sie gegen eine Häuserwand geschleudert und die Wachen aus Mayonta bildeten einen Halbkreis um sie. Der Anführer trat nach vorne, die Arme vor der Brust verschränkt, sein Blick aus den bernsteinfarbenen Augen troff vor Abscheu.

»Was willst du, Caladur?«, fuhr Clay ihn sauer an und hielt seinem Blick eisern stand.

Caladur war ein hochgewachsener, muskulöser Raukarii. Sein Haar trug er zu einem festen Knoten am Hinterkopf zusammengebunden. Nicht sichtbar, doch jeder, der ihn näher kannte wusste es, er hatte in seiner schwarzen Lederrüstung überall verschiedene kleine Dolche und Messer versteckt. Im Waffengürtel ruhte ein blank poliertes Langschwert und auf der linken Brust prangte das Symbol der Stadtwache. In seinem Gesicht lag stets der Hauch von Zynismus.

»Das müsstest du doch am besten wissen«, antwortete Caladur gelassen.

»Keine Ahnung, wovon du redest«, erwiderte Clay, obwohl er den Grund bereits ahnte.

»Mir sind zwei deiner untergebenen Straßenratten vorhin begegnet«, säuselte Caladur mit einem schiefen Grinsen. »Ich weiß noch nicht, was ich mit ihnen tun werde. Es kommt wohl auf deine Antwort an.«

Clays Gedanken überschlugen sich. Entweder er sprach von seinen Freunden oder von den Zwillingen. Wenn er von den Kindern redete, dann kam nur ein Raukarii in Mayonta in Frage, von dem er seine Informationen bezog. Ein Raukarii, den er noch mehr hasste als Caldur.

»Weiß eigentlich Kommandant Malor von deinem zweiten Leben?«, fragte Clay frech und versuchte damit vom Thema abzulenken. Doch er bereute seine Worte sofort, als eine geballte Faust ihn mitten auf die Nase traf. Ein explosionsartiger Schmerz schoss ihm durch den Kopf. Blitze vor seinen Augen nahmen ihm kurzzeitig die Sicht und schließlich tropften Blutfäden aus den Nasenlöchern auf seine Brust. Dem nicht genug legte sich Caladurs Hand um seine Kehle und drückte zu. Aber es reichte, um Clay verzweifelt nach Luft schnappen zu lassen.

»Wag es nicht noch einmal, sonst …«, zischte Caladur.

»Sonst was? Mit was willst du mir drohen?«, krächzte Clay.

»Du hängst doch an deinen Händen und Füßen.« Caldur lachte und hielt plötzlich einen Dolch in der Hand. Er ließ Clays Hals los und legte die kalte Klinge an die dünne Haut seiner Kehle. Ganz langsam und genussvoll strich er mit dem scharfen Dolch von links nach rechts, wobei dieser einen schmalen roten Strich hinter sich herzog. »Wenn dir daran nicht viel liegt, feilschen wir um dein erbärmliches Leben.« Schließlich ließ er von ihm ab und trat zufrieden einen Schritt zurück.

Clay schluckte mehrmals und befühlte vorsichtig seinen Hals. Caldur hatte ihm den Kehlkopf gequetscht und es schmerzte höllisch. Allerdings hatte seine Drohung ihre Wirkung auch nicht verfehlt. Clay rang innerlich mit sich. Sollte er ihm verraten was er wusste oder besser schweigen.

»Siehst du, du kannst sanft wie ein schnurrendes Kätzchen sein.«

Für diesen Spruch hätte er ihm am liebsten sein Knie in die Weichteile gerammt, aber Clay blieb ruhig stehen und beobachtete aus den Augenwinkeln, wie Nyn in der Gesellschaft der zwielichtigen Stadtwachen immer kleiner zu werden schien.

»Und über was willst du reden?«, gab Clay nach. Gegen Caladur hatte er ohnehin keine Chance. Vorerst.

»Wenn es nach mir gehen würde, würde ich dich jetzt mitnehmen. Dich und deine verlausten Diebe einkerkern. Am Galgen wird morgen genug Platz sein, euch gleich mit aufzuknüpfen. Aber leider spreche ich heute nicht für mich. Endis will dein hübsches Gesicht sehen.«

Also hatte Clay richtig geraten. Sein Herz trommelte wild und seine Hände wurden ganz feucht. Den letzten Raukarii, den er sehen wollte war Endis Teptur – den Dämon in Raukariigestalt, wie ihn die meisten hinter vorgehaltener Hand nannten. Sie beide hatten noch eine offene Rechnung zu begleichen und Clay würde dabei verlieren.

»Eines weiß ich mit absoluter Gewissheit«, sprach Caladur weiter und erfreute sich an Clays wachsender Angst, »der Abend wird viel zu kurz sein, und die Nacht werdet ihr nur überleben, wenn ihr tut, was ich sage.«

»Du Schwein«, rief Clay ihm zornig zu und schon kehrte der Dolch an seinem Hals zurück.

»Halt’s Maul und pass auf, wie du mich nennst, sonst wird Endis Entlohnung doch zu wenig sein. Dann kümmere ich mich um dich und deine Freunde.« Caladur näherte sich Clays Ohr und flüsterte: »Du räudiger Hund einer Hure, der in einer Kloake geboren wurde. Endis verspeist solche Ratten wie dich zum Frühstück und ich übernehme gerne die Häutung. Entweder du spielst das Spiel mit oder aber …«

Weiter sprach er nicht, machte erneut einen Schritt zurück und brach in schallendes Gelächter aus, dem sich die fünf Stadtwachen anschlossen.

Clay knurrte und spuckte Caladur mitten ins Gesicht. Eine Sekunde später flog ihm die Faust erneut ins Gesicht. Clays Blick wurde von einem schwarzen Nebelschleier umwölkt und er fiel bewusstlos zu Boden.

© Text Madison Clark

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Frage: Was ist das heilige Symbol des Feuergottes Zevenaar?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 33. Türchen plus heutiges Datum)
Einsendeschluss ist um Mitternacht.
Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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2 Gedanken zu „Adventsgewinnspiel 2013 … 33. Türchen (21.12.)

  1. Pingback: Adventsgewinnspiel 2013 – Tür 33 ← Ramona testet Querbeet

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